Dr. Dr. Kelly del Tredici
Institut für Klinische Neuroanatomie, Frankfurt am Main
5.000,00 € Stiftungspreis
Aktuelles aus der Grundlagenforschung zur Entstehung der Parkinsonschen Krankheit

 

 

Laudatio von Michael Kelly auf die Forschungspreisträgerin 2006

Florstadt-Staden, den 7. Oktober 2006

Obwohl die meisten von uns nicht allzu viel im täglichen Leben mit Forschung zu tun haben, sind wir trotzdem in vielerlei Hinsicht auf Forschung angewiesen. Ohne Forschung wird es keine Forschritte in der Entwicklung von neuen Medikamenten geben, neue Abbildungsverfahren von Abläufen im Gehirn werden nicht entwickelt werden können, die Identifikation von Genen, die eine Rolle bei Morbus Parkinson spielen, wird nicht möglich sein. Die Liste ist lang. Kurz gesagt, Forschung spielt eine bedeutende Rolle in unserem Leben.

Nichts liegt uns Parkinson Patienten näher als die Hoffnung auf Heilung bez. Linderung der Symptomatik. Um diesem Ziel näher zu kommen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Ursachen der Krankheit erforscht werden. Nur wenn die Ursachen offen liegen, wird es möglich sein, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um das Entstehen von MP zu verhindern bzw. den Krankheitsprozess zu unterbinden oder zu verlangsamen. Nur so wird es möglich sein, die Diagnostik, die Therapie und die Betreuung der Patienten grundlegend zu verändern und zu verbessern.

Unser besonderes Interesse heute richtet sich auf die Ursachenforschung von Morbus Parkinson. Es dürfte allgemein bekannt sein, dass trotz sehr intensiven Bemühungen die Ursachen der Parkinson Krankheit in nahezu 90% aller Fälle immer noch im Dunkeln liegen. Es gibt natürlich Erklärungen, warum MP entsteht, z.B. gibt es die These, dass dieser oder jener Botenstoff im Gehirn fehlt oder dass Zellen in bestimmten Hirnarealen absterben. Obwohl derartige Aussagen stimmen mögen, sind diese Faktoren jedoch nicht für die Entstehung der Krankheit ursächlich verantwortlich. Sie basieren lediglich auf Folgeerscheinungen von sehr viel tiefer liegenden Prozessen, deren genauer Ausgangspunkt und deren Abläufe noch verborgen sind.

Um eine solche Entschlüsselung von Grundursachen geht es bei unserer diesjährigen Preisträgerin, Frau Dr. Kelly Del Tredici. Sie arbeitet an der Universität Frankfurt in einer Gruppe unter der Leitung von Professor Dr. Heiko Braak im Institut für Klinische Neuroanatomie der Johann-Wolfgang von Goethe Universität. In diesem Institut wird Parkinsonforschung auf höchster Ebene betrieben. Es ist eines der wenigen Orte weltweit, an dem Morbus Parkinson auf pathologischer Basis untersucht wird. Zu einer Zeit, wo viele Klagen laut werden, dass in Deutschland medizinische Forschung so gut wie nicht mehr stattfindet, ist es erfreulich festzustellen, dass ganz in unserer Nähe Parkinsonforschung betrieben wird, die weltweite Anerkennung genießt.

Frau Dr. Del Tredici hat in den letzten Jahren, in Zusammenarbeit mit Professor Braak, den ich heute auch bei uns sehr herzlich begrüßen möchte, zahlreiche bahnbrechende Veröffentlichungen herausgebracht, die einen sehr wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der Erkrankung leisten. Diese Forschungsergebnisse sind in den renommiertesten wissenschaftlichen Fachzeitschriften erschienen: Unter anderem in Neurology, Neurobiology of Aging, Journal of Neuropathology and Experimental Neurology und anderen namhaften Journalen. Dabei geht es um die Analyse und Klassifizierung der weit reichenden pathologischen Veränderungen, die im Zusammenhang mit Morbus Parkinson entstehen, um letztendlich erklären zu können, warum Morbus Parkinson auftritt. Ich kann die Bedeutung der von Frau Dr. Del Tredici und dem Team unter der Leitung von Professor Braak gewonnenen Erkenntnisse für die Entschlüsselung von Morbus Parkinson nicht überbetonen.

Den Lebenslauf von Frau Dr. Del Tredici möchte ich an dieser Stelle nur streifen: eine glänzende akademische Laufbahn, zuerst in den Vereinigten Staaten, wo sie Klassische Philologie in Chicago und New York studierte. Nach der Promotion in Klassischer Philologie studierte sie Theologie und war Lehrbeauftragte für Alte Sprachen an der Harvard Divinity School, wo sie neben ihrem Lehrauftrag noch zwei Magisterstudien absolvierte.

In Deutschland seit 1989, begann sie 1993 ihr Studium in Humanmedizin an der Martin Luther Universität in Halle und promovierte mit Dr. med. an der Goethe Universität Frankfurt in 2004, mit einer Doktorarbeit, die eine der höchsten akademischen Auszeichnungen erhielt.

Man könnte meinen, dass Frau Dr. Del Tredici mit ihren Forschungsarbeiten ausgelastet sei. Das ist aber nicht der Fall. Sie hat vor kurzem ein praktisches Klinikjahr am Zentrum für Psychiatrie und Neurologie in Winnenden bei Stuttgart absolviert. In dieser Einrichtung werden gerontologische Patienten, die vorwiegend an Morbus Parkinson and Alzheimer erkrankt sind, betreut, was eine äußerst anspruchsvolle Herausforderung darstellt, die sehr viel Hingabe und Belastbarkeit erfordert.

Eine der wichtigsten Aspekte für uns Patienten ist die Frage nach der praktischen Nutzung von Forschungsergebnissen. Leider liegt ein langer Weg zwischen Grundlagenforschung und praktischer Nutzung, oft zu lang für uns Patienten mit unserer Hoffnung auf eine schnellere Linderung unserer Beschwerden. Aber ist er wirklich so lang? Ich bin optimistisch. Führen wir uns die rasanten pharmakologischen Entwicklungen der letzten Jahre einmal vor Augen. Als meine Diagnose vor 12 Jahren gestellt wurde, spielten Agonisten fast keine Rolle in der Therapie. Tiefenhirnstimulation wird zunehmend raffinierter und bewegt sich vom Laborbereich zur klinischen Praxis. Die genetisch bedingten Formen von Morbus Parkinson werden zunehmend mittels Gentechnologie durchleuchtet. Wir sind durch unsere Vergangenheit vorbelastet und vergessen oft, dass Humanwissen nicht linear, sondern exponentiell wächst. Momentan verdoppelt sich unser Wissensschatz, je nach Fachgebiet, alle 5 bis 10 Jahre. Ich bin sicher, dass dies auch auf unser Wissen über Morbus Parkinson zutrifft. Der World Parkinson Congress in Washington im Februar dieses Jahr, am dem ich teilnahm, lieferte mir viele Beweise, dass eine rasante Entwicklung mit enormen Anstrengungen, Morbus Parkinson zu entschlüsseln, im Gang ist. Die Arbeit von Frau Dr. Del Tredici spielt hierzu eine wichtige Rolle.

Sehr geehrte Frau Dr. Del Tredici, gestatten Sie mir, am Ende dieser Laudatio Ihnen im Namen der Hilde-Ulrichs-Stiftung und im Namen aller Patienten Hochachtung für Ihre bisherige Leistung auszusprechen. Sie haben schon viel erreicht, wir sind gespannt auf die Zukunft und Ihr weiteres Wirken. Als kleine Stiftung mit begrenzten Mitteln sind wir in der Lage, nur bedingt etwas zu bewegen. Auch wenn es sich dabei nur um ein kleines Bruchstück im Gesamtbild handelt, hoffen wir, dass andere bald weitere Stücke in das Ursachen-Mosaik des Morbus Parkinson einsetzen werden. Wie es so schön in den alten Schriften, die Sie, Frau Dr. Del Tredici, so gut kennen, heißt: Man ist nicht angehalten, die Schöpfung zu vollenden, man erfüllt seine Aufgabe, in dem man dazu beiträgt.

Frau Dr. Del Tredici, im Namen aller Betroffenen und Angehörigen wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei ihren weiteren Forschungstätigkeiten.

Weitere Informationen zu Dr. Dr. Kelly del Tredici finden Sie u.a. auf der Homepage der Michael J. Fox Stiftung: Kelly Del Tredici – Michael J. Fox Foundation