Prof. Dr. med. Daniela Berg
Klinik für Neurologie UKSH, Campus Kiel
5.000,00 € Stiftungspreis
Ultraschall bei Morbus Parkinson

Laudatio von Michael Kelly auf die Forschunngspreisträgerin 2004

Florstadt-Staden, Oktober 2004

Die Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung besteht nur seit 7 Jahren. Es ist sicherlich verfrüht, von Tradition zu sprechen, aber wenn ich bei heute, bei unserer 4. Preisverleihung, rückblicke, stelle ich fest, dass sich bei der Auswahl der Preisträger eine gewisse Richtung abzeichnet.

Die Wahl des Preisträgers fiel meistens auf Forscher und Forscherinnen, die am Anfang ihrer Karriere standen. Auch heute ehren wir eine Frau, die am Anfang ihrer Karriere steht.

Es ist mir eine besondere Freude und Ehre, das Werk von Frau Dr. Daniela Berg würdigen zu dürfen. Frau Dr. Berg ist erst junge 37 Jahre alt ist. Sie forscht am Institut für Medizinische Genetik an der Universität Tübingen mit Schwerpunkt auf der Anwendung von Ultraschall bei der Ursachenforschung und Diagnose von Morbus Parkinson.

Frau Dr. Berg erhielt 1998 den Posterpreis der Deutschen Gesellschaft für Neurologische Intensivmedizin, den Posterpreis der Deutschen Parkinsongesellschaft in 1999, den Parkinson-Preis der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in 1999, um nur einige zu nennen. Sie ist Mitglied des Young Scientists Committee bei der 16th International World Congress on Parkinsons Disease.

Den Lebenslauf von Frau Dr. Berg möchte ich an dieser Stelle nur streifen: Promoviert summa cum laude 1995 in Würzburg, fachärztliche Prüfung in Neurologie 2002, seit August 2003 Tätigkeit am Hertie-Institut für Gehirnforschung an der Universität Tübingen.
Die Arbeit von Forschern und Wissenschaftlern wird unter anderem dadurch beurteilt, dass man sich deren Publikationen und Veröffentlichungen ansieht. Sie hat zahlreiche Veröffentlichungen in renommiertesten wissenschaftlichen Fachzeitschriften, unter anderem in Neurology, Journal of Neural Transmission und anderen namhaften Fachpublikationen.

Der diesjährige Forschungspreis ist verknüpft mit einem noch auszuführenden Projekt mit der Bezeichnung „Pölymorphismen in Genen des Eisenstoffwechsels als Suszeptibilitätsfaktoren beim Morbus Parkinson“. Frau Dr. Berg, als Assistentin von Dr. Georg Becker in Würzburg, war maßgeblich an der Entwicklung von Ultraschall als Untersuchungsmethode in der Diagnostik, Veranlagung und Ursachenforschung bei Morbus Parkinson beteiligt. Ein tragischer Unfall hat die Karriere von Dr. Becker leider allzu früh beendet. Es ist der Verdienst u. a. von Frau Dr. Berg, dass diese Methode weiter entwickelt wurde und inzwischen auf einer breiteren Front in der Frühdiagnose von MP eingesetzt wird. In bezug auf Kosten, Handhabung und Schnelligkeit hat transkranielle Sonographie sehr viele Vorteile gegenüber anderen Untersuchungsmethoden. Die Methode beruht auf einer vermehrten Echogenität der substantia nigra als Krankheitsmerkmal, wobei festgestellt wurde, dass dieser krankheitstypische Befund in Zusammenhang mit einem erhöhten Eisengehalt in diesen Hirngebiet steht. Nachdem Veränderungen in Genen, die am Eisenstoffwechsel beteiligt sind, bei Patienten gefunden wurden, die dieses Merkmahl aufweisen, geht es nun in einem 15-monatigen weiterführenden, von der Hilde-Ulrichs-Stiftung unterstützten Projekt darum, diese Polymorphismen oder Veränderungen zu präzisieren bzw. andere Gene, die möglicherweise im Eisenhaushalt eine Rolle spielen, zu identifizieren, um deren Einfluss auf die Entstehung der Krankheit zu klären.

Allen Anzeichen nach entsteht MP über Jahre, wenn nicht über Jahrzehnte hinweg. In Fällen, in denen eine familiäre Veranlagung gegeben ist oder wenn schon sogenannte weiche Symptome, wie sie Frau Dr. Berg bezeichnet, vorhanden sind, kann es mindestens für manche potenzielle Parkinsonpatienten von Interesse sein, möglich früh über den persönlichen Risikostatus aufgeklärt zu sein.

Die Stiftung hat bei der Preisverleihung bestimmte Kriterien in den Vordergrund gesetzt. Es wird auf den verschiedensten Parkinsongebieten intensiv geforscht. Massive Geldmittel in Millionenhöhe stehen aber nur dort ausreichend zur Verfügung, wo Geld zu verdienen ist. Bei der für uns Kranke so wichtigen Grundlagenforschung zum Beispiel, die nach möglichen Ursachen von Morbus Parkinson sucht, ist dies häufig nicht der Fall. Da die nötigen Geldmittel fehlen, sind wir gerade in diesem Bereich allzu oft auf die Bereitschaft, das Engagement und den Idealismus von Forschern angewiesen, die die Belange der Patienten an erster Stelle sehen. Frau Dr. Berg gehört definitiv zu diesem Forscherkreis.

Im Namen der Hilde-Ulrichs-Stiftung und im Namen aller Patienten unsere Hochachtung für Ihre bisherige Leistung. Sie haben schon viel erreicht, wir sind gespannt auf die Zukunft und Ihr weiteres Wirken. Als kleine Stiftung mit begrenzten Mitteln sind wir in der Lage, nur bedingt etwas zu bewegen. Auch wenn es sich hier nur um ein kleines Stück im gesamten Bild handelt, hoffen wir, dass andere bald weitere Stücke in das Ursachen-Mosaik des Morbus Parkinson einsetzen werden.

Last but not least möchte ich an dieser Stelle auch Herrn Dr. Christian Berg und die beiden Kinder der Preisträgerin auf unserer Veranstaltung begrüßen. Frau Dr. Berg, im Namen aller Betroffenen und Angehörigen wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei ihren weiteren Forschungstätigkeiten.

Weitere Informationen zum Werdegang von Frau Prof. Dr. med. Daniela Berg:

>> Lebenslauf Frau Prof. Dr. med. Daniela Berg