Prof. Dr. Christine Klein und Dr. Helfried Jacobs
Universität Lübeck
3.000,00 DM Stiftungspreis
Parkinson Gene – Erbsubstanz

Laudatio von Michael Kelly auf die Forschungspreisträger 2000 – Frau Prof. Dr. med. Christine Klein und Dr. med. Helfried Jacobs

Florstadt-Staden, im November 2000

Diese Preisverleihung ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Häufig werden Menschen im reiferen Alter geehrt, die auf ein Lebenswerk zurückblicken können. Es ist mir daher eine besondere Freude und Ehre, hier das Werk von zwei jungen Forschern, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, würdigen zu dürfen.

Es ist weiterhin ungewöhnlich, dass der Preis von einer Stiftung verliehen wird, die ausschließlich von Patienten für Patienten getragen wird, unabhängig von industriellen und institutionellen Interessen. Die Stiftung trägt den Namen einer ganz herausragenden Frau trägt, nämlich Hilde Ulrichs. Obwohl sie bereits schwer durch ihre Parkinsonerkrankung gekennzeichnet war, gründete sie mit weiteren Parkinsonkranken 1994 den Verein Parkinson-Selbsthilfe e.V., der Träger der Stiftung. Unser heutiges Treffen zeigt, dass ihr geistiges Erbe, umgesetzt wird.

Das Forschungsprojekt der beiden Preisträger befasst sich mit „Klinisch-epidemiologischen und molekulargenetischen Untersuchungen bei unterschiedlichen Parkinson-Syndromen“. Für Laien ist dies ein etwas schwieriger Begriff, hinter dem sich eine Reihe nützlicher und wichtiger Ansätze und Erkenntnisse für Betroffene verbirgt.

Die Parkinson-Krankheit ist seit Jahrhunderten bekannt, vielleicht sogar seit Jahrtausenden, wenn wir historische Dokumente richtig deuten. Trotzdem liegen bis heute die genauen Ursachen für die Krankheit noch weitgehend im Dunkeln. Der letzte große Durchbruch in der Behandlung der Krankheit beruhte auf pharmakologischer Basis. Dabei handelte es sich um die Einführung von L-dopa im Jahre 1962, was auch bereits fast 40 Jahre zurückliegt.

Seit langem wird darüber diskutiert und gestritten, ob genetische Ursachen oder Umwelteinflüsse, bei der Entstehung der Krankheit im Vordergrund stehen. Diese Frage ist nicht nur von theoretischer Bedeutung, denn ohne Klärung dieser Frage, ohne Wissen um die Ursachen, lassen sich wenige effektive Lösungsansätze zur Vermeidung bzw. zur Heilung formulieren. Forschung kann nicht wirkungsvoll in die richtigen Bahnen gelenkt werden, viele Bemühungen enden in einer Sackgasse. Dies alles ist mit viel Zeit und Geld verbunden, ohne dass den Betroffenen wirkungsvoll geholfen wird. Die Molekularbiologie hat insbesondere in den letzten 5 bis 10 Jahren enorme Fortschritte gemacht. Diese Fortschritte eröffnen bisher unbekannte Möglichkeiten bei der Erforschung der Ursachen für die Parkinson-Krankheit. Wir hoffen, dass wir damit an der Schwelle zu einem weiteren Durchbruch stehen und wir nicht weitere 40 Jahre darauf warten müssen.

Frau Prof. Dr. Klein und Herr Dr. Jacobs haben sich mit der Frage beschäftigt, ob die Ursachen der Krankheit auf umweltbezogene oder genetische Faktoren beruhen. Herr Dr. Jacobs befasst sich in der Hauptsache mit epidemiologischen Studien bei jungen Parkinson-Patienten im Vergleich zu gesunden Personen gleichen Alters und Geschlechts. Dabei untersuchte er mögliche Risikofaktoren, z.B. Umweltfaktoren, Schadstoffbelastung, Infektionserkrankungen und Ernährungsgewohnheiten, die für die Erkrankung insbesondere junger Patienten von Relevanz sein können. Frau Prof. Dr. Klein forscht über die genetischen Ursachen von Morbus Parkinson, primär über mögliche Erbeinflüsse bei der Entstehung der Krankheit, wobei sie sich inbesondere auch jungen Patienten zuwendet. Jüngere Patienten sind für Forschungsvorhaben genetischer und umweltbedingter Natur von besonderem Interesse, insofern ihre näheren Verwandten am Leben und familiäre Häufigkeitsstudien durchführbar sind. Die Tatsache, dass diese jungen Menschen, aufgrund ihres Alters, zum Zeitpunkt der Untersuchung nur über eine kürzere Lebensspanne zurückblicken, liefert möglicherweise bessere und genauere Erinnerung an zurückliegende Ereignisse.

Jedem Patienten muss nach Möglichkeit geholfen werden, junge Patienten bedürfen aus vielerlei Gründen unserer besonderer Aufmerksamkeit. Diese Patienten sind von der Erkrankung besonders hart getroffen, sie haben noch den größten Teil ihres Lebens vor sich. Ihr Leben und ihre Lebensplanung sind durch Unsicherheit gekennzeichnet: Wie verläuft meine Krankheit? Wie lange kann ich berufstätig bleiben? Kann ich es verantworten, eine Familie zu gründen?
Die Lebensläufe der beiden Forscher möchte ich an dieser Stelle nur streifen. Die Arbeit von Forschern und Wissenschaftlern wird unter anderem beurteilt, indem man sich deren Publikationen und Veröffentlichungen ansieht. Diesen Weg habe ich auch eingeschlagen, und ich war erstaunt, was ich vorfand. Neben gemeinsamen Arbeiten der beiden Preisträger, insgesamt 7, fand ich nicht weniger als 28 Veröffentlichungen, in denen Frau Prof. Dr. Klein, die 1995 promovierte, als Autorin bzw. Co-Autorin genannt ist, und bereits 10 Veröffentlichungen von Herrn Dr. Jacobs, eine beachtliche Anzahl in Anbetracht der Tatsache, dass Herr Dr. Jacobs erst im Frühjahr dieses Jahres seinen Dr. med. erhielt.

Ich habe mir einige dieser Veröffentlichungen angesehen: Unter anderen in Neurology, Annals of Neurology, Annals of Human Genetics, Movement Disorders. Die Co-Autoren der beiden Forscher lesen sich wie ein Who is Who der internationalen Parkinson-Forschung, es befinden sich darunter international bekannte Experten wie Prof. Quinn und Prof. Marsden aus London, Prof. Uitti aus Kanada und Prof. Ludin aus Israel und andere namhafte Forscher in Deutschland und den Vereinigten Staaten.

Die Stiftung hat bei der Preisverleihung bestimmte Kriterien in den Vordergrund gesetzt. Es wird auf den verschiedensten Parkinsongebieten intensiv geforscht. Massive Geldmittel in Millionenhöhe stehen aber nur dort ausreichend zur Verfügung, wo Geld zu verdienen ist. Bei der für uns Kranke so wichtigen Grundlagenforschung, die nach möglichen Ursachen von Morbus Parkinson sucht, ist dies häufig nicht der Fall. Da die nötigen Geldmittel fehlen, sind wir gerade in diesem Bereich allzu oft auf die Bereitschaft, das Engagement und den Idealismus von Forschern angewiesen, die die Belange der Patienten an erster Stelle sehen. Sowohl Frau Prof. Dr. Klein als auch Herr Dr. Jacobs gehören zu diesem Forscherkreis. Wir alle wissen, dass man sich über das normale Maß engagieren muss, um etwas zu bewegen. Dies haben Frau Prof. Dr. Klein und Herr Dr. Jacobs in vorbildlicher Weise getan.

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Klein, sehr geehrter Herr Dr. Jacobs, gestatten Sie mir, am Ende dieser Laudatio Ihnen im Namen der Hilde-Ulrichs-Stiftung und im Namen aller Patienten Hochachtung für Ihre bisherigen Leistungen auszusprechen. Diese lassen Hoffnung für die Zukunft aufkommen, dass wir bald weitere Stücke in das Ursachen-Mosaik des Morbus Parkinson einsetzen können und dass insbesondere auch jüngeren Patienten geholfen werden kann.

Sie haben beide schon viel erreicht, wir sind gespannt auf die Zukunft und Ihr weiteres Wirken. Ihre Begeisterung für die Sache ist uns schon wohl bekannt. Mit diesem Preis möchten wir Ihnen unseren Dank und unsere Anerkennung, insbesondere die aller Betroffenen und Angehörigen, zum Ausdruck bringen und wünschen Ihnen viel Erfolg bei ihren weiteren Forschungstätigkeiten.