Logo Hilde-Ulrichs- Stiftung für Parkinsonforschung

Stephan Weißmeier

 

Ehrenpreisträger 2014 Stephan Weißmeier

Stephan Weißmeier

Ehrenpreisträger 2014
Stephan Weißmeier

Stephan Weißmeier, Rodenbach (1953-2014) wurde 1953 in Forchheim in Oberfranken geboren. 1969 Mittlere Reife, 1972 Abschluß als Hotelkaufmann in Frankfurt am Main. 1976 Abitur auf dem 2. Bildungsweg. Danach Studium der Anglistik und Germanistik an der Universität Freiburg im Breisgau. 1978 heiratete er seine japanische Kommilitonin Tomoko. Schon mit 27 Jahren 1980 – Diagnose „Parkinson“. Der begeisterte Tänzer wurde von der Krankheit besonders hart getroffen. Auf Anraten der Ärzte brach er im Frühjahr 1983 sein Studium ab. Von da an war er Rentner ohne Rentenanspruch. Früh saß er schon im Rollstuhl und wurde reichliche mit Medikamenten versorgt, wovon einige heute gar nicht mehr eingesetzt werden. Er war immer mehr auf die Hilfe seiner Frau Tomoko angewiesen. Sie sorgte tagsüber als Bankangestellte für das wirtschaftliche Auskommen der Familie mit Tochter Samantha und kümmerte sich in ihrer „Freizeit“ um Stephan.

Stephan Weißmeier war zusammen mit dem ebenfalls jungerkrankten Tobias Schmöger und dessen tatkräftiger Mutter Eva Schmöger aus Karlsruhe Initiator der U-40-Bewegung der Deutschen Parkinson Vereinigung (dPV). Aus diesem wichtigen Anfangsimpuls Ende der 80er Jahre entstanden viele bundesweite und regionale U40-Treffen sowie viele weitere Aktivitäten jung an Parkinson Erkrankter, so z.B. 1994 das Patientenpionierprojekt Schneckenhaus, 1997 die Gründung der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung und 2001 die Gründung des Vereines Parkins-on-line.de. Stephan war auch ein begeisterter Tom Jones Fan.

In seiner Zeit in Offenbach gründete er eine Regionalgruppe der dPV und war in der wachsenden U-40-Bewegung aktiv. Zudem war er ein begnadeter Dichter und machte die Parkinsonproblematik in und außerhalb der Krankheitsszene mit aussagekräftigen und feinfühligen Texten verständlich.

Von 1999–2003 lebte und wohnte Stephan im Schneckenhaus. Er gehörte von da an auch dem Beirat der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung an. Während seiner Schneckenhaus-Zeit konnten wir hautnah miterleben, dass die Parkinsonerkrankung für Stephan tägliche „Schwerstarbeit“ bedeutete! Die Phasen zwischen totaler Starre und extremen Überbewegungen wechselten häufig. An manchen Tagen musste mehrmals die schweißnasse Kleidung gewechselt werden.

Die letzten Jahre bis zu seinem Tod verbrachte Stephan in einer Einrichtung für Jungerkrankte in Rodenbach. Der letzte Therapieversuch, die Tiefe Hirnstimulation (THS) brachte ihm 2006 keine entscheidende Verbesserung – im Gegenteil, man konnte sich noch schlechter mit ihm verständigen.

Als tapferen Parkinsonkranken, als Pionier der Patientenselbsthilfe für Jungerkrankte und mit seinen Gedichten werden wir Stephan Weißmeier in guter Erinnerung behalten.


Gedicht von Stefan

„Parkinson – was ist das ?“

Parkinson – das ist …
Behindert und nicht behindert sein, Parkinson – das ist …
Beweglich und unbeweglich sein, Parkinson heißt:
Man kann alles –

und kann doch nichts allein.

Parkinson – das ist …
stillstehen und Treppen steigen. Parkinson – das ist …
gern reden und doch schweigen Parkinson heißt:
Es ist schwer,
das was man fühlt zu zeigen.

Parkinson – das ist …
festkleben und dann loszurennen Parkinson – das ist …
wollen aber doch nicht können. Parkinson heißt:
Es ertragen
und sich dazu bekennen.

Parkinson – das ist …
mal zappeln und mal zittern, Parkinson – das ist …
ein Körper hinter Gittern. Parkinson heißt:
Eingesperrt –
nur die Gedanken frei!

Mai 1988

 

Die beiden Gedichtsbände von Stephan Weißmeier „Parkinson-Lyrik“ und „MENSCH PARKINSON“ sind auch zukünftig weiterhin erhältlich. Infos über den Erwerb können zeitnah bei

Samantha Weißmeier
Landgrafenstr. 34
63071 Offenbach
Email: samantha.weissmeier@gmail.com erfragt werden.