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Gisela Steinert

Auszug aus der Laudatio von Wolfgang Bornemann 

Gisela Steinert,
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,  meine sehr geehrten Damen und Herren,

als feststand, wer in diesem Jahr den Ehrenpreis der Hilde-Ulrich-Stiftung erhalten wird und ich gefragt wurde, ob ich die Preisträgerin vorstellen kann, habe ich der Bitte gern entsprochen. Den Ehrenpreis der Hilde-Ulrichs-Stiftung erhält in diesem Jahr Gisela Steinert und ich fühle mich geehrt, dass ich ein paar Worte von dieser Stelle dazu sagen darf.

Allerdings will ich nicht verschweigen, dass ich mit dieser Aufgabe auch ein paar Probleme hatte, denn wie wird man dieser Herausforderung gerecht, die vielfältigen Aktivitäten der Preisträgerin darzustellen und richtig zu würdigen ?

Lassen Sie mich zunächst begründen warum Gisela Steinert den Ehrenpreis der Stiftung erhält.
Gisela, seit mehreren Jahren übst Du sehr erfolgreich und engagiert die Leitung der Selbsthilfegruppe Club-U40 Hessen/Süd, der Deutschen Parkinson Vereinigung aus. Vielen jungen Betroffenen, durch die Diagnose noch verunsichert, konntest Du wieder eine positive Lebensrichtung geben. Mutig und kompetent, hast Du in den Medien, bis hin zu mehreren Auftritten im Fernsehen, z.B in der Sendung von Sabine Christiansen, Belange von uns Parkinsonkranken öffentlich gemacht.
Anfangs in DEUPARK, jetzt vor allen Dingen in PARKINS-on-LINE e.V. bist Du der Motor und die Seele der Internetaktivitäten von uns Parkinsonbetroffenen. Du versorgst uns nicht nur tagtäglich mit den neuesten Informationen aus dem weltweiten Kommunikationsmedium, Du beteiligst Dich auch sehr aktiv an der Diskussion. Wie engagiert Du dich im Paol Internetforum beteiligst, am Rande sei noch erwähnt, dass du dieses Forum auch noch als Administrator betreust, wird durch folgenden Vergleich deutlich: Du hast innerhalb von nicht mal einem Jahr ca. 1800 Beiträge geschrieben, wobei der Durchschnitt bei weniger als 100 liegt.

Gisela, es ist nicht nur deine Sachkompetenz und dein unermüdlicher Einsatz, die überzeugen, Du hast eine Fähigkeit, die vielen unserer Mitmenschen abhanden gekommen ist, du kannst zuhören und dein Charme und deine Ausstrahlung machen dich zu der Persönlichkeit, die heute vollkommen zurecht, den Ehrenpreis der Hilde-Ulrichs-Stiftung erhalten wird. Vielleicht ein wenig naiv und von einem mir unbekanntem Autor fällt mir ein Vers ein, den vor vielen Jahren ein Mitschüler in mein damaliges Poesiealbum geschrieben hat.
„Das sind die Starken,die über die eigenen Sorgen lachen und die Herzen der anderen
glücklich machen.“

Diese Stelle soll mich überleiten zu einer etwas persönlicheren Seite von Gisela.Ich hoffe nicht, dass durch meine bisherige Darstellung – auch wenn ich jetzt übertreibe- etwa das Bild einer gut organisierten und berechneten Managerin, oder wie es im Neudeutsch gelegentlich heißt „workaholic“, projeziert wurde.Bei allem geschildertem Engagement ist es ein persönliches Anliegen daran zu erinnern, dass Gisela auch an Parkinson erkrankt ist und dass es neben der selbstbewusst und couragiert auftretenden Gisela Steinert auch eine sehr sensible und feinsinnige Seite gibt.

Liebe Gisela, wie ich weiß hast du ein Motto, das heißt, „denke positiv“. Mit diesem Motto und mit dem gerade gelesenem Gedicht „Hoffnung“ sind denke ich die richtigen Zeichen gesetzt um zum Schluß zu kommen. – auch wenn noch gar nichts über die Sportlerin und Marathonläuferin Gisela Steinert berichtet wurde..- Ich schließe in der Hoffnung dass dein Wunsch erfüllt wird, einmal den Himalaya zusehen, wie du es selbst auf deiner Homepage formuliert hast..

Ich hoffe weiter für dich, dass du dich auch in Zukunft nicht unterkriegen lässt und ich hoffe weiter für uns, dass du einfach so bleibst wie du bist. Liebe Gisela, für die 25 jährige Mitgliedschaft in einem Sportverein wurde ich einmal mit den Worten geehrt: „ Ehrungen finden entweder statt weil man alt geworden ist oder weil man gut ist.“ Nun, in der damaligen Veranstaltung blieb offen, welcher Grund auf mich treffen sollte.Heute gibt es jedoch überhaupt keinen Zweifel: du bist hier und ich bitte dich jetzt nach vorn zu kommen, weil du wirklich richtig gut bist.
Mein liebster Spruch
Es ist schön Freunde zu haben,
noch schöner ist es aber
wenn sie auch ehrlich zu Dir sind.

Dankesworte von Gisela Steinert

Liebe Anwesende,

ich danke dem Vorstand der Hilde-Ulrichs-Stiftung für diese besondere Auszeichnung.
Nur zu gut erinnere ich mich an die Zeit vor nunmehr 10 Jahren, als ich die ersten Anzeichen meiner Erkrankung bemerkte.
Ich suchte verschiedene Ärzte auf.- es gab schon bald den Verdacht, es könnte ja sein… aber man wisse nicht genau….- und außerdem sei ich ja noch viel zu jung…- nun wie das eben so ist.
Ich wurde dann stationär in ein Krankenhaus aufgenommen, wo dann nach sechs Wochen endgültig die Diagnose „Parkinson“ gestellt wurde. Es war einerseits ein ziemlicher Schock für mich, aber andererseits wusste ich endlich die Symptome zu deuten. Ich fand danach zum Glück auch einen kompetenten Arzt der mich gut mit Medikamenten einstellte. Ich wollte alles über diese Krankheit erfahren und fing an mich zu informieren. Schnell fand ich heraus wie wenig die Menschen über junge Parkinsonerkrankte wussten, deren grösstes Problem es ist, daß sie mit ihren Symptome immer wieder in eine Schublade mit Drogen- und Alkoholabhängigen gesteckt werden. Deshalb ist die Aufklärungsarbeit in aller Öffentlichkeit ein sehr dringendes und wichtiges Thema für uns alle.
Diese Stiftung ist ja sehr eng mit dem Schneckenhaus verbunden und seit meiner Krankheit weiss ich was die Menschen die darin wohnen, Hermann und Heide, alles zu leisten imstande sind. Sie sind mir in gewisser Weise ein Vorbild.
Ich machte auch die Erfahrung wie wichtig und hilfreich es ist Menschen zu begegnen, die mit dem gleichen Problem zu kämpfen haben.
Besonders die Selbsthilfegruppe ist für alle Erkrankten sehr wichtig. Sie sollte auch ein Platz sein für den ganz persönlichen Erfahrungsaustausch, für die gegenseitige Ermutigung, aber auch für gemeinsame Aktionen, Treffen oder miteinander Fröhlichsein.
In unserer heutigen Zeit ist alles auf Perfektionismus, auf Leistung, auf jung und gesund ausgerichtet…. jeder der krank oder behindert ist, zieht sich da sehr leicht zurück – oft aufgrund persönlicher Erfahrung anderen eher lästig zu sein, abgelehnt zu werden .. denn es wird ja dadurch der Traum von der heilen Welt gestört. Ich bin stolz auf diese Auszeichnung, denn gerade die Arbeit mit und für die Erkrankten hat mir selbst viel Energie und Mut gegeben, auch mit meinen eigenen Sorgen und Problemen zu leben und damit umzugehen.
Ich möchte an dieser Stelle besonders einmal meiner Familie, besonders meinem Mann danken, für die Unterstützung und Hilfe die ich von ihnen bekomme.
Auch bei allen anderen die dazu beigetragen haben dass ich diesen Preis heute entgegennehmen darf, bedanke ich mich recht herzlich.

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